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Interview: Ein „Reset“ des Projektmanagements?!

Meine Herren, gibt es einen Bedarf für ein „Reset“ des Projektmanagements?

Roland Gareis: Leider ja! Es muss endlich gelingen, die Aufgaben des Projektmanagements nicht nur im Optimieren des Magic Triangle aus Projektleistungen, Projektterminen und Projektkosten zu sehen.  Und der Projektbegriff ist endlich zu klären ….

Lorenz Gareis: Zum Glück, ja! Obwohl es hier seit Jahren ein Problembewusstsein zu Missständen in der PM Community gibt, konnten bislang nur kaum nennenswerte Erfolge erzielt werden. Aktuell stehen die Sterne aber günstig – bedingt durch Weiterentwicklungen zu Agilität, Selbstorganisation und Co. können verkrustete Strukturen aufgebrochen werden. Und vieles – auch PM – wird plötzlich grundsätzlich hinterfragt.

Was braucht es für ein „Reset“? Welche Maßnahmen sind möglich?

Lorenz Gareis: In erster Linie braucht es Mut. Mut über den Tellerrand zu blicken, Mut den Status Quo zu hinterfragen und Mut sich die vorherrschenden Missstände auch einzugestehen. Wir haben aktuell die Chance Projektmanagement neu zu denken – die kommt ein Mal in 10 Jahren. Ich möchte mich daher nicht mit den Grabenkämpfen unterschiedlicher methodischer Lager auseinandersetzen. Vielmehr gilt es das viele Gute zu nützen, unnötigen Ballast abzustoßen und neue Methoden und Denkweisen anderer Ansätze zu integrieren.

Roland Gareis: Adäquate Projektorganisationen sind explizit zu designen, Beziehungen zu Projektstakeholdern sind bewusst zu gestalten, ein nachhaltiger Beitrag zum Business Value ist zu leisten, … etc. Der Zusammenhang zwischen der inhaltlichen Arbeit eines Projekts, die parallel in mehreren Subteams erfolgt, und dessen Management ist stärker zu betrachten. Das traditionelle Projektmanagement fokussiert nur auf integrierende Managementfunktionen.

Es muss endlich gelingen, die Aufgaben des Projekt­managements nicht nur im Optimieren des Magic Triangle aus Projekt­leistungen, Projekt­terminen und Projekt­kosten zu sehen.
Roland Gareis

Wie kann dieser Zusammenhang betrachtet werden?

Roland Gareis: Vor allem durch ein adäquates Management der Anforderungen, die durch ein Projekt realisiert werden sollen, und durch ein explizites Management der Subteams, die die inhaltliche Projektarbeit leisten. Dem derzeit erlebbaren „Aufstand der Kleinen“ (der Scrumteams), ist professionell zu begegnen.

Was kann man beim „Reset“ von agilen Konzepten lernen?

Roland Gareis: Projekte sind enger abzugrenzen, um Lernen im Prozess zu ermöglichen. „Kleine Ganzheiten“ sind zu schaffen, das Denken in Projekteketten ist notwendig. Selbstorganisation, jedoch in definiertem Rahmen, ist zu fördern. Und natürlich ist „Cherry Picking“ angesagt: Visualisierte Projektkommunikation mit Hilfe der Projektpläne, Retrospectives im Rahmen von Projektcontrolling-Sitzungen, Stand-ups in Subteams, etc. sind zu realisieren.

Lorenz Gareis: Es ist wichtig Kommunikationsformate attraktiv zu designen. Im Projektmanagement ist man zu oft im Alltagstrott gefangen. Dabei braucht es gar nicht viel – oft scheinen einige Flipcharts und Post-its schon zu reichen, um die Teilnehmer aus ihrer Komfortzone zu locken.

In erster Linie braucht es Mut. Mut über den Tellerrand zu blicken, Mut den Status Quo zu hinterfragen und Mut sich die vorherrschenden Missstände auch einzugestehen.
Lorenz Gareis